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Der Tip des Monats
Niemand in der marokkanischen Gesellschaft möchte diese positive politische und wirtschaftliche Entwicklung grundlegend verändern und damit vielleicht beenden. Sehr wohl wünschen sich viele Marokkaner aber zum Beispiel ein zügigeres Umsetzen der bereits angekündigten Reformen und eine gewisse Einschränkung der königlichen Macht in Bezug auf die Zusammenstellung von Regierung und Parlament. Hierauf ist der König in seiner Rede vom 09.03.2011 eingegangen und hat entsprechende Lösungen vorgeschlagen, die ihm nicht nur in Marokko, sondern auch bei den maßgeblichen Politikern in Europa große Anerkennung einbrachten.
Demonstrationen sind in Marokko seit 1999 genauso alltäglich wie in Deutschland. Nur mit einem "kleinen" Unterschied. Während in Deutschland mittlerweile fast bei jeder Demo mit massivster Gewalt gerechnet werden muß (siehe z.B. Berlin, Dresden, Hamburg - 62 bzw. 83 verletzte Polizisten) oder sich die Autonomen bei den "Maifestspielen" austoben, ist das in Marokko eher ungewöhnlich.
Von seriösen deutschen Zeitungen sollte man allerdings erwarten können, daß sie in ihrer Berichterstattung zwischen politischen und privaten Demonstrationen, die sich z.B. gegen ein privates Bauprojekt in Marrakech richteten, unterscheiden können. Bei Falschinformation des Lesers könnte man sonst Absicht unterstellen, um die Auflage zu erhöhen.
Was muß eigentlich ein amerikanischer, chinesischer, französischer Tourist denken, der die deutsche Tagesschau und die Berichte über Demos in Berlin oder Hamburg sieht?
In Marokko ist der Wunsch nach Reformen ausschlaggebend und nicht der Sturz des Königs oder des gesamten politischen Systems. Deshalb war das Motto bei den Demos im Gegensatz zu allen anderen Ländern auch nicht "Tag des Zorns", sondern "Tag der Würde". Es zeigt sich seit Beginn der Unruhen in anderen Ländern, dass Marokko stabil bleibt und seinen eigenen Weg bereits vor über einem Jahrzehnt gefunden hat.
Umso unverständlicher und in Teilen überhaupt nicht mehr nachvollziehbar sind daher die "Reisehinweise" des AA in Berlin. Daß man sich von Demonstrationen fernhält, ist eine allgemeine Lebensweisheit, die man auch in Deutschland und anderen Ländern zur eigenen Sicherheit dringend befolgen sollte.
Wo stehen eigentlich bei den AA's anderer Länder, z.B. Amerika, Japan oder China die entsprechenden Warnhinweise für Deutschland?
Daß man aber monate- bzw. jahrelang den folgenden Hinweis unverändert läßt, versteht niemand, der das Land Marokko und die Verhältnisse vor Ort wirklich kennt:
Das Auswärtige Amt rät von Reisen in entlegene, nicht hinreichend durch wirksame Polizei- oder Militärpräsenz gesicherte Gebiete der Sahara und ihrer Randbereiche eindringlich ab.
Link
Hier kann man nur vermuten, daß die Mitarbeiter der Botschaft noch nie oder schon sehr lange nicht mehr in derartigen Gegenden in Marokko waren und den Aufenthalt in den klimatisierten Botschaftsräumen bevorzugen. Es macht einfach keinen Sinn, eine gleichlautende Warnung für Marokko, Algerien, Niger, Mali, Mauretanien und andere Länder zu veröffentlichen, dazu sind die Länder und die Risiken zu verschieden. Kein normaler Tourist kommt in Marokko jemals in derartige Gebiete und Bruder Leichtfuß hat sich noch nie für die Hinweise des AA interessiert. Viele Deutsche, die seit Jahren in Marokko leben oder regelmäßig ihren Urlaub hier verbringen, schütteln über derartige Äusserungen nur noch verständnislos den Kopf.
Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß einige Reisehinweise und -warnungen je nach politischer Großwetterlage vergeben werden, d.h. bei politischen oder wirtschaftlichen Schwergewichten verzichtet man dann und wann aus naheliegenden Gründen auf einen Hinweis.
Ähnlich präzise und hilfreich war der Hinweis zu Beginn der Unruhen in Tunesien, man möge doch bitte die Entwicklung in den lokalen Medien verfolgen. Welcher deutsche Normaltourist spricht schon Französisch oder gar Arabisch?
Bei allem Verständnis für eine berufsbedingte Scheu, Verantwortung und Haftung zu übernehmen, aber damit informiert man interessierte Besucher nicht sachgerecht, damit verunsichert man sie nur, derartige Fehlinformationen sind nicht zielführend. Es gibt viel zu tun Herr Minister, packen Sie's an!
Als verantwortungsbewußte Agentur haben wir größtes Interesse daran, daß unsere Gäste ihren Urlaub unbeschwert und sicher verbringen können und wir werden alles tun, um Ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu gehört natürlich auch, jegliches vermeidbare Risiko auszuschließen und Sie vor allen tatsächlichen Gefahren zu warnen. Wir wollen aber weder Verunsicherung noch Panik erzeugen. Ihre Sicherheit steht für uns immer an erster Stelle!
Bei überlegter und besonnener Abwägung von Für und Wider gibt es derzeit keinen Grund, einen Aufenthalt in Marokko zu verschieben oder gar zu stornieren. Lassen Sie sich nicht von Leuten verunsichern, die noch nie in Marokko waren und/oder ihre Informationen nur vom Hörensagen haben. Informieren Sie sich sachlich und unvoreingenommen, genießen Sie Ihren Urlaub in Marokko!
Aktualisierung vom 01. Mai 2011:
Das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitshinweise nach dem Attentat in Marrakech für Marokko nicht verschärft. Es rät lediglich zu erhöhter Aufmerksamkeit in der Nähe touristischer Anziehungspunkte und religiöser Kultstätten, sowie an symbolträchtigen Daten, wie zum Beispiel hohen religiösen und anderen Feiertagen. Dementsprechend bieten die großen deutschen Reiseveranstalter nach wie vor Reisen nach Marokko an, u.a. auch nach Marrakech.
In der marokkanischen Hauptstadt Rabat und anderen Städten des Landes haben mehrere Tausend Menschen die traditionellen Erste-Mai-Kundgebungen auch zum Anlass genommen, gegen den Terrorismus zu demonstrieren.
Die Demonstranten verurteilten den Anschlag auf ein Café in Marrakech. Nur leider wurde darüber in den deutschen Printmedien und im Fernsehen nicht berichtet. Im Gegensatz dazu z.B. die Schweizer Presse, wo dies selbstverständlich gemeldet wurde.

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